Lokalpresse zum Denkmaltag

23. September 2010

SEHEN STAUNEN UND GENIESSEN
Erschienen im Ressort Schmalkalden von “Freies Wort” und STZ am 14.09.2010:

Der Besucheransturm auf Schloss “Todenwarth” war zum “Tag des offenen Denkmals” wieder immens.
Weit mehr als 500 Besucher erkundeten den alten Familiensitz und seine Historie.

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Blick auf die Empfangshalle mit ihrem Fußboden aus Sandsteinquadern: Hier herrschte reges
Kommen und Gehen. Fotos (2): Erik Hande

Fambach – Die Geschichte des Gebäudes reicht vermutlich 1000 Jahre zurück. So alt ist wahrscheinlich
der südliche der beiden zugänglichen Gewölbekeller. Das Schloss bietet den Besuchern einen wahrhaft
herr(schaft)lichen Anblick. Allein die Empfangshalle mit dem freigelegten mittelalterlichen
Steinfußboden begeistert die meisten Gäste. Dazu das liebevoll sanierte Innere des Hauses, welches
Zeugnis der Geschichte und normaler Wohnort der Eigentümerfamilie Halbig zugleich ist.
Im Jahr 1996 hatte Dr. Jochen Halbig das Anwesen seiner Vorfahren erworben. Den seinerzeit
heruntergekommenen Bauzustand zeigte der Gastgeber in einer Präsentation im kleinen Saal, der jetzt als
Vortrags- und Konzertstätte dient. Angesichts der erschreckenden Bilder vom Aussehen der Todenwarth
in der Nachwendezeit lobten die Besucher die Sanierungsleistung der Familie besonders. Mit Akribie,
Ausdauer und dem rechten Gespür für Details gelang die Restaurierung im besten Sinne. Denn der Erhalt
solcher historisch bedeutsamer Häuser und Anlagen nützt wenig, wenn sie heute nicht genutzt werden und
weiter leben.uf-todenansicht

Ein herr(schaft)licher Blick auf Schloss Todenwarth.

Leben ist in die Todenwarth wieder reichlich eingezogen. Davon konnten sich die Besucher fast bis in den
letzten Winkel überzeugen. “Es gab viele gute Gespräche, auch mit Gewinn für die Mitglieder des
Freundeskreises Todenwarth”, betonte Jochen Halbig. Dieser Kreis hatte sich Ende 2005 gegründet und
tritt für den Erhalt der einstigen mittelalterlichen Grenzstation und Wehranlage an der alten Handelsstraße
zwischen Nürnberg, Frankfurt und Leipzig ein. Die Straße führte durch die Warthe, die von Mauern und
Toren umgeben war, was heute noch an der Anlage zu sehen ist. Fünf Jahrhunderte lang war das Schloss
und die Anlage ein Lehen, später waren die Wölffe von und zu Todenwarth die Eigentümer.
Der nördliche Teil mit dem Schloss war jetzt wieder zu besichtigen, im südlichen Teil befindet sich heute
ein Autoservice. Zum “Tag des offenen Denkmals” erwartete die Besucher neben dem Rundgang durch
das Gebäude auch eine Bändchenweberei aus Wernshausen und ein Topfmarkt aus Wasungen.
Mit besonderer Aufmerksamkeit sahen die Gäste eine Präsentation über den Abriss der einstigen
Kammgarnspinnerei. Der Widerstand gegen den Abbruch war auch von der Todenwarth ausgegangen. Dr.
Halbig hatte sich engagiert, um den Behlert-Bau und das historisch bedeutsame Industrie-Ensemble zu
erhalten. Doch gegen den politischen Willen der Gemeinde Wernshausen mit ihrem Bürgermeister Rainer
Stoffel, gegen den Willen von Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski und gegen den Willen von
Landrat Ralf Luther war vor Jahresfrist letztlich nicht anzukommen. Der Erhalt der Kammgarn konnte
nicht durchgesetzt werden, weil die Politik den Erhalt nicht wollte, fasste Jochen Halbig zusammen. 50
Prozent Fördermittel für den Abriss der Kammgarn-Spinnerei – 1,5 Prozent Förderung für den Erhalt des
Breitunger Schlosses auf dem Burghügel, lautete eine prägnante Aussage in seinem Film.
Die Gastgeberfamilie Halbig hatte sich bereits am Samstag für das Bewahren von Kultur eingesetzt. Sie
läuteten den “Tag des offenen Denkmals” mit einem Kammerkonzert ein. Cordula Queck an der Geige
und Ines Glöckner am Klavier stimmten auf den Besuchertag ein.

Autor (Text und Fotos) Erik Hande